Virtuelle Marktplätze – Vergleich zwischen Etsy, Redbubble und DaWanda

Sich als selbständiger Artist zu beweisen ist nicht gerade leicht. Wie bringt man seine Arbeit dem Kunden näher? Märkte und Ausstellungen sind schon einmal ein guter Anfang, doch auch relativ zeitaufwändig.

Hier schafft das Internet Abhilfe. In der heutigen Zeit erreicht man wohl die größte Aufmerksamkeit durch soziale Plattformen. So ist es auch keine Überraschung, dass es nun eine Menge an Webseiten gibt, die sich darauf spezialisieren künstlerische Arbeiten des Nutzers zu verkaufen. Sie bieten virtuelle Marktplätze, wo der Nutzer seine Kunst darstellen und dem Konsumenten näher bringen kann.

Da es mittlerweile so viele Seiten gibt, die diese Dienstleistung anbieten, kann man schon schnell den Überblick verlieren.
Egal ob Gemälde, Shirts oder Schmuck! Welche Seite bietet denn nun dem  Künstler die besten Möglichkeiten? Wo werden seine Werke am besten dargestellt? Wo kann man seine Arbeit am sichersten verkaufen? Wo werden Künstler am meisten unterstützt? Ich habe drei verschiedene Webseiten genauer unter die Lupe genommen um zu sehen welche am besten geeignet ist, um sich als Künstler durchzusetzen.

Natürlich gibt es viele Seiten wie society6, storenvy und und und, doch ich habe mich entschieden die drei Seiten Etsy, redbubble und daWanda zu vergleichen. Zum einem fiel die Auswahl so aus, weil Etsy und Redbubble international vertreten sind und auch sehr bekannt sind, zum anderen wollte ich auch ein in Europa entstandenes Unternehmen miteinbeziehen.

 

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Die Plattform “etsy” wurde 2005 gegründet und hat ihren Hauptsitz in New York. Seit 2010 gibt es auch einen Sitz in Deutschlands Hauptstadt Berlin. Die Seite wird neben der USA auch von Ländern wie England, Kanada, Frankreich und Deutschland oft besucht (x).

Die Reichweite ist also sehr groß, es gibt momentan rund 25 Millionen Mitglieder weltweit. Seit es 2012 auch eine passende App zur Website gibt verstärkt sich der Einfluss, der in den Staaten bereits sehr groß war, auch in Europa.
Um seine Produkte zu verkaufen muss man zu allererst ein kostenloses Konto erstellen, danach sucht man sich einen Namen für seine Seite und kann die Artikel auch schon hochladen. Es sind keine html/CSS Kenntnisse notwendig um die Seite zu erstellen.
Die Art der Produkte und deren Verfügbarkeit werden durch eine Leiste am linken Seitenrand des Profis dargestellt, auf der rechten Seite kann man dann Ausschnitte seiner Produkte sehen. Das Design ist schön schlicht und überschaubar. Des Weiteren ist es möglich einen eigenen Banner für seine Seite hinzuzufügen. Außerdem gibt es unten die Möglichkeit für Nutzer und Käufer Kommentare über die Kreationen zu hinterlassen.
Wird ein Produkt verkauft so kann man seine Bezahlung auf verschiedene Weise erhalten, von Überweisung bis Kreditkarte und PayPal ist alles möglich.
Dabei sollte man wissen, dass man als Nutzer die Verantwortung und die Kosten für den Versand des Produktes trägt. Des Weiteren erhält Etsy von dem angegebenen Preis 3,5 % Provision. Außerdem gibt es Einstellkosten in Höhe von 0,20 USD, was umgerechnet ungefähr 0,19 Euro ergibt. Das bedeutet: Für jeden Artikel, den man zur Darstellung hochlädt, werden 19 Cent berechnet.
Werden Artikel auf der Website hochgeladen bleiben sie dort für 4 Monate oder bis sie verkauft werden.

 

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Auch Redbubble gibt es schon recht lange. Gegründet wurde es ein Jahr nach Etsy in 2006 in Melbourne, Australien wo sich auch der jetzige Hauptsitz befindet. Die Zugriffe sind auch hier international wobei Australien hier vorne dabei ist.

Auch diese Seite ist leicht zu bedienen und man braucht keine Kenntnisse in html oder CSS. Nach der kostenlosen Anmeldung hat der Nutzer hier ebenfalls die Chance einen individuellen Banner für die Seite zu erstellen. Die neusten Werke werden unten recht in kleinen Quadraten angezeigt. Des Weiteren hat man die Möglichkeit einen “Bubble Blog” auf seinem Profil mit einzubinden, wo man Posts und Beiträge wie auf einem normalen Blog erstellen kann.
Redbubble spezialisiert sich auf die digitale Kunst, so muss der Artist nur sein Design hochladen und kann dann auswählen auf was dies gedruckt werden sollen. Die Kreation wird dann den Produkten angepasst, wobei man dies ebenfalls weiter verändern kann. Es gibt eine breite Palette inklusive Shirts, Sticker, Tassen, Handhüllen, Poster etc. Dadurch muss man auch nichts von den Versandkosten der Produkte übernehmen.
Für das Online-Stellen fallen im Gegensatz zu Etsy keine weiteren Gebühren an, jedoch sind die Preise für die Produkte bereits vorher von Redbubble festgelegt. So kostet ein Sticker beispielsweise immer etwas zwischen 2 und 4 Euro. Den eigenen Profit für das Produkt kann man zu dem angegeben Preis dann selber festlegen.
Auch bei Redbubble erfolgt die Bezahlung ähnlich wie bei Etsy über das Bankkonto oder Paypal. Dabei erhält der Künstler immer am 15. jeden Monats sein Geld überwiesen.

 

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DaWanda ist ein deutsches Unternehmen mit dem Sitz in Berlin, welches ebenfalls seit 2006 existiert. Es gibt momentan rund 7,3 Millionen Nutzer auf der Seite, wobei die Zugriffe aus europäischen Ländern kommen. Neben Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es auch viele Zugriffe aus Polen und Frankreich (x).

DaWanda ist ähnlich aufgebaut wie Etsy, auf der Profilseite gibt es links eine Leiste der verschiedenen Produkte und deren Verfügbarkeit. Wie bei dem amerikanischen Unternehmen werden auch hier rechts die Produkte dargestellt. Auch einen eigenen Banner kann man hinzufügen. Der Unterschied besteht aus den Profilinformationen, die sich statt oben links an der Seite befinden, was die Darstellung des Künstlers etwas erschwert.
Wie bei den beiden anderen Plattformen ist auch hier die Anmeldung kostenlos. Danach kann man seine Produkte für variierende Einstellkosten (zwischen 10 und 30 cent) online stellen. Ähnlich wie bei Etsy übernimmt man auch hier die Verantwortung und die Kosten für den Versand.
Die Bezahlung erfolgt auch hier entweder über Kreditkarte, Überweisung oder PayPal. Wobei man auch hier beachten muss, dass DaWanda eine Provision in Höhe von 5% erhält.

 

In der folgenden Tabelle habe ich die Eigenschaften noch einmal kurz zusammengefasst:

Etsy Redbubble DaWanda
Bedienbarkeit einfach einfach einfach
Reichweite International, Fokus auf Amerika, England International, Fokus auf Amerika, England Fokus liegt auf europäischen Ländern
Produktvielfalt Handgemaches, alles Begrenzt auf Digitale Arbeiten Handgemaches, alles
Preis 0,20 USD Einstellgebühr

3,5% Provision

Basispreis

→ Profit selbsteinstellbar

0,10 – 0,30 EUR Einstellgebühr

5% Provision

Bezahlung Kreditkarte, PayPal, Überweisung Kreditkarte, PayPal, Überweisung Kreditkarte, PayPal, Überweisung
Besonderheiten Eigener Versand Bubble Blog Eigener Versand

 

Jede Seite hat ihre Vor-und Nachteile, es kommt ganz dabei auf die Präferenzen und Werke eines jeden Künstlers an. Kreiert man seine Sachen, wie Schmuck oder Kostüme, selber so sind Plattformen wie Etsy und DaWanda wohl am besten geeignet. Liegt der Fokus aber mehr auf dem eigentlichen Design so bietet Redbubble wohl die beste Lösung.
Der eigene Versand mag für Einige vielleicht mehr Arbeit sein, für andere ist es jedoch die perfekte Gelegenheit dem Kunden durch personalisierte Verpackungen oder Karten näher zu kommen.
Auch die Kommentar und Bewertungsfunktion, die bei allen drei Seiten vorhanden ist, hat sowohl positive als auch negative Aspekte, diese hängen aber natürlich von dem Nutzer selbst und seinen Produkten ab.
Was bei allen drei untersuchten Seiten gleich ist, ist die einfache Bedienung und Herstellung der eigenen Verkaufsseite. Jedoch sind die Seiten schlicht gehalten und sehen alle bis zu einem gewissen Grad ähnlich aus. Bevorzugt man eine individuellere gestaltete Seite, macht es ebenfalls Sinn andere Anbieter zu suchen, jedoch muss man sich darauf einstellen, dass die eigenen html und CSS Kenntnisse dann gefragt werden.

Allgemein ist zu sagen, dass virtuelle Marktplätze wie Etsy, Redbubble, DaWanda und Co. die perfekte Möglichkeit bieten in das kreative Geschäft einzusteigen. Dabei sollte man allerdings im Hinterkopf behalten, dass diese Seiten das Produkt darstellen. Für die Werbung und den Verkauf ist man als Künstler immer noch selbst verantwortlich.

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Plagiatsvorwürfe gegen Zara

Die große Modekette „Zara“ wurde von der unabhängigen Künstlerin Tuesday Bassen des Plagiats bezichtigt. Das Unternehmen soll ihre Designs geklaut und ohne Genehmigung der Artistin in dem Tochterunternehmen „Bershka“ verkauft haben. Erst durch ihre Kunden wurde Bassen auf die Urherberrechtsverletzung aufmerksam.

Das private Verfahren wurde durch Bassen Ende Juli öffentlich als sie ein Statement auf ihrem Instagram-Account veröffentlichte. In diesem Post stellte sie ihre Arbeiten im Vergleich zu Zara’s Kopien dar und zeigte ebenfalls die Antwort des Modegiganten zu ihren Vorwürfen.

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Dieser Beitrag von Bassen wurde viral und ermutigte andere beklaute Künstler.

In Zara’s Erklärung an Bassen wird die angebliche Nachahmung geleugnet, denn Bassen’s Kreationen seien nicht von der breiten Masse als ihre „Eigenmarke“ zu unterscheiden. Im Gegensatz zum großen Unternehmen, welches ein breites Publikum besitzt (laut der Erklärung: 98 Millionen Website-Besucher), kenne man sie und ihre Designs nicht.

Der Post auf Instagram erhielt soviel Aufsehen, dass nicht nur Modemagazine wie Cosmopolitan davon berichteten, sondern auch Zeitungen wie Dailymail und die Huffingtsonpost. Ein wütender Shitstorm gegen Zara folgte auf den Sozialen Medien.

Immer mehr selbstständige Künstler melden sich nun durch Bassen’s Aufdeckung zu Wort. So auch der Artist Adam J. Kurtz, der ebenfalls seine Meinung in einem Instagram-Beitrag äußerte. Des Weiteren erstellte Kurtz eine Sammlung von Zara’s Designs, die das Urheberrecht verletzt haben und verlinkte die eigentlichen Künstler der Werke. So kann man die Arbeiten vergleichen und sich selbst ein Bild über die Lage verschaffen. Auch mehrere Nachrichten-Artikel zu dem Vorfall in verschiedenen Sprachen wurden auf der Seite aufgelistet.

Dieser Vorfall liegt nun rund 14 Wochen zurück und es gibt nur wenig Stellungnahme von der Firma. Die Vogue berichtete kurz darauf davon, dass Zara’s Besitzer Inditex die geklauten Artikel aus dem Sortiment genommen habe und die Anwälte Bassen’s kontaktiert wurden. Doch laut der Künstlerin hätte sie seither nichts vom Unternehmen gehört.
Und so dauert das Gerichtsverfahren zwischen Bassen und Zara immer noch an, welches zum Zeitpunkt der Bekanntmachung für Bassen bereits 2000 Dollar kostete.

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Nicht nur gegen milliardenschweres Unternehmen Zara gibt es Vorwürfe.

Dies ist nicht das erste Mal, dass Marken Designs klauen.
Immer wieder werden Independent Artists von solch großen Kooperationen beklaut, so ist Zara nicht die erste Kette, die mit Urheberrechtsverletzungen konfrontiert wird. Auch große Labels wie Forever 21 und Urban Outfitters mussten schon mit legalen Kämpfen rechnen. Die Verlierer in solchen Vorfällen sind meist die Künstler, da diese nicht immer über das Geld verfügen, um sich teure Gerichtsverfahren leisten zu können. So bleibt die Öffentlichkeit von den einen oder anderen “Kunst-Diebstähle” oft unaufgeklärt.

Dies weiß auch Bassen, denn sie will “ihre Unterstützer nicht mit den finanziellen Sorgen belasten” und ruft lediglich dazu auf, auf den Betrug aufmerksam zu machen.

Weiterführende Links:
Tuesday Bassen Twitter Instagram Website
Adam J. Kurtz Twitter Instagram

Weiterführende Artikel:
BBC
Buzzfeed
New York Magazine
Focus