Kunst als Karriere

Seine Interessen und Hobbies zu Geld zu machen – das ist wohl der Traum vieler Künstler. Fan-Artistin Emma, die unter dem Künstlernamen „emmaohemmoh“ ihre Kunst veröffentlich, konnte schon erste Erfahrungen in diesem Bereich sammeln.

Es begann alles mit ihrem persönlichen Interesse an einer Band. Die 20-Jährige Studentin fing vor einigen Jahren an Bilder von ihren Zeichnungen online zu stellen. Auf ihren Social Media Accounts teilte sie Skizzen und Zeichnungen ihrer Lieblingsband „5 Seconds of Summer“. Anfangs hielt dich das Feedback in Grenzen, doch mittlerweile hat sie Tausende Follower und wurde bereits von weltweiten Stars, wie eben 5 Seconds of Summer, Twenty One Pilots und Halsey aber auch Seiten wie MTV beachtet und angesprochen.

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Emma wurde um 2014 in der Fan-Gemeinde bekannter.

Ihre sogenannten „Paperchildren“, womit sie anfangs startete, kann man sich auf ihrer Seite selbst kostenlos ausdrucken und damit sein Zimmer dekorieren. Sie erstelle sogar passend zu ihrer Lieblingsband eine Variation des Kartenspiels „Cards against Humanity“ mit Insider-Themen für Fans, auch diese ist frei downloadbar.

Auf die Frage wie sie soviel Aufmerksamkeit erhielt, gab es von ihr die bescheidene Antwort: „Naja, es hat sich einfach durch mein ständiges Posten auf Twitter und Tumblr entwickelt. Durch das ‘Hashtaggen’, insbesondere auf meiner tumblr-Seite erreichten meine Zeichnungen und Comics immer mehr Aufmerksamkeit.“

Ihre Kreationen erreichen auf der Tumblr-Website, eine Blog-Seite, je über 100.000 Reblogs, das bedeutet sie werden tausende Male geteilt, kommentiert und geliket. Dadurch wächst sogar schon ihre eigene kleine Fan-Gemeinde an. Auf Konzerten ihrer Lieblingsbands, wird sie oft von Menschen erkannt und plant manchmal sogar kleine Meet-Ups. „Es ist schon ziemlich cool!“, freut sie sich.

Ihre Tipps für aufstrebende Künstler lautet: Ganz viel Übung! Emma erzählt, dass sie sich deshalb jeden Tag die Zeit nimmt mindestens einen Eintrag in ihrem Sketch-Buch zu machen. Dabei ist es egal ob es eine kleine Skizze ist oder ob es sich um eine größere Zeichnung handelt. Hauptsache es wird täglich etwas gezeichnet.

Auf ihrem Youtube-Kanal gibt Emma einen kleinen Einblick in ihre Skizzenbücher:

Besonders der sogenannte „Inktober“, der jeden Oktober stattfindet eignet sich hervorragend dazu. Gestartet wurde das Projekt im Jahre 2009 von Jake Parker. Jedes Jahr im Monat Oktober gibt er für jeden Tag, vom 1. bis zum 31., ein Thema vor zu welchem man dann künstlerisch tätig werden soll. Offiziell geht es darum Tinte (ink) zu benutzen, ein Bild zu dem jeweiligen Wort oder Thema zu malen und das Resultat dann unter #inktober online zu posten. Mittlerweile gibt es aber viele verschiedene Variationen, so erstellen viele eine eigene Wörterliste, andere benutzen statt Tinte Tusche, oder die Art-Challenge wird der Kalligrafie angepasst. Es gibt keine Grenzen was dieses Projekt angeht.

Auch Emma hat vergangenen Oktober an der Challenge teilgenommen und Bilder gepostet. Hier gibt es eine kleine Auswahl ihrer Inktober-Werke, die sie auf ihrer öffentlichen Instagram-Seite gepostet hat.

Quelle: @emmaohemmoh auf Instagram

Des Weiteren erklärt sie, dass man die größte Aufmerksamkeit erreicht wenn man seine Posts richtig aufbaut, wie beispielsweise die Verwendung vieler Hashtags sowie das Markieren der gemalten Promis (sofern denn welche gezeichnet wurden), welches am besten auf Tumblr und Twitter funktioniere.

Betrachtet man ihre Accounts so sieht man, dass Emma einen sehr prägnanten Comic-artigen Kunststil besitzt. Ihre Kreationen haben einen simplen Stil, sind aber von anderen Styles leicht zu unterscheiden und haben somit Wiedererkennungscharakter.

„Ich werde oft gefragt, wie man seinen eigenen Stil entwickelt und das ist immer sehr schwer zu beantworten.“, erzählt die Studentin. Man solle sich auf jeden Fall Zeit lassen und es nicht erzwingen, erklärt sie. Denn auch sie brauchte eine Weile um ihre Art zu Zeichnen zu finden. „Meine Inspirationen waren hauptsächlich Comics und sogar einige Instagram-Artisten!“ Doch sie rät davon ab ganze Zeichnungen anderer Künstler zu kopieren. Man solle sich stattdessen inspirieren lassen und Teile der bereits vorhanden Kunst weiterentwickeln in seine eigene Kunstart.

Trotz ihres Erfolges als Fan-Artistin und ihrer kleinen Online-Community, konzentriert sich die 20-Jährige nun auf ihr Wirtschafts-Studium. Zeichnen tut sie trotzdem noch, doch Zeichen-Aufträge die sie erhält, bearbeitet sie meist in ihren Ferien. Nebenbei verdient sie mit ihrer Kunst durch Webseiten wie Redbubble und Society6 Geld.

Denn mit Social Media wird besonders die junge Generation erreicht, die bereit ist für hochwertige und leidenschaftliche hergestellte Kunst zu bezahlen.

Auch Thorsten Schäfer von Deichhirsch freut sich auf jeden Zugriff auf seine Facebook-Seite. Das Unternehmen wurde erst Anfang 2016 gegründet und ist somit noch sehr jung und hat viel vor sich.

deichhirsch

Schäfer hat sein Hobby, im Gegensatz zu Emma, schon zum echten Beruf gemacht. Ein mutiger Schritt denn dies schaffen nicht viele.
Es ist schwierig sich auf dem kreativen Markt durchsetzen. In einer Umfrage haben rund 42% der deutschen Bevölkerung angegeben, dass sie sich kaum oder gar nicht für Kunst und die Kunstszene interessieren. Nur rund 6,5 Prozent seien demnach sehr daran interessiert [x].

Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie lag der Umsatz in der Kultur- und Kreativ-Wirtschaft 2015 geschätzt bei 150.383 Millionen Euro, dies macht einen Anteil von 2,47% der Gesamtwirtschaft aus. “Mit einer durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstumsrate in Höhe von 1,8 Prozent für den Zeitraum 2010 bis 2015 entwickelt sich die Kultur- und Kreativwirtschaft stabil positiv.” Dabei entwickeln sich die meisten Teilmärkte positiv, so auch der Designmarkt, der ein plus von 0,5% verzeichnen kann. Print-Märkte wie der Buch und Pressemarkt zeigen sich hingegen im Minus.
Während die Designwirtschaft eine positive Entwicklung zeigt, leidet der Kunstmarkt, zu denen selbständig bildende Künstler zählen, mit minus 2,2.

teilmarktekreativQuelle: [x]

Die angewandte Kunst, das bedeutet der Bereich des Designs und der Fotografie findet mehr Zulauf, als die bildende Kunst wie beispielsweise die traditionelle Malerei und Zeichnung.

Dies ist wahrscheinlich auch einer der Gründe, die ausschlaggebend für Emma war. Sie hat sich entschieden ihr großes Hobby erst einmal an zweiter Stelle zu setzen und sich auf ihr Wirtschaftsstudium zu fokussieren. Nichtsdestotrotz bleibt sie ihrem Hobby treu und belegt noch Wahlfächer im Bereich Kunst und Gestaltung.

Auch„Deichhirsch“ bleibt vorerst nur ein Nebenjob zu Schäfers festen Berufung als Mediengestalter. Ziel ist es nun vorerst das kleine Unternehmen aufzubauen und die Umsatzzahlen zu steigern.

Für neue Firmen eignen sich lokale Ausstellungen um die Aufmerksamkeit der Kunden zu gewinnen. Der “Kreativ-Koffer-Markt”, der in Wilhelmshaven stattfindet, bietet dazu eine gute Gelegenheit. Hier haben selbständige Künstler oder auch lokale Unternehmen die Möglichkeit ihre Kunst zu verkaufen. So war auch Deichhirsch Ende Oktober 2016 mit dabei. Auch bei der “4-Tage-Galerie” in Oldenburg einen Monat später war das neue Unternehmen präsent.

 

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Der Kreativ-Koffer-Markt findet seit 2014 im Pumpwerk Wilhelmshaven statt.

Quelle: Thuy Nguyen

Dabei verbringt statistisch gesehen nur ein kleiner Teil der deutschen Bevölkerung damit kulturelle Veranstaltungen oder Einrichtungen zu besuchen. 64% der 2013 Befragten gaben an,  Fernsehen/DVD’s zu gucken während es nur 7% gab, die Veranstaltungen zu besuchen.

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Quelle: [x]

“Ich habe eigentlich nur wenig Zeit für solche Kunstausstellungen. Fernsehen mache ich persönlich nur wenig, kann mir aber vorstellen, dass viele das bevorzugen, weil man es nebenbei zu Hause anmachen kann”, erklärt eine Besucherin des Kreativ-Koffer-Marktes.

Eine Wilhelmshavener Studentin ergänzt: “Ich wusste zum Beispiel auch gar nicht wo und wann das [der Kreativ-Koffer-Markt] stattfindet.”

Die fehlende Information ist der eine Teil, aber der Hauptgrund sei wohl der Zeitmangel.  Untersuchungen des statistischen Bundesamtes zeigten, dass sich 26% von den Deutschen sich mehr Zeit für Kunst und Kultur wünschen. Insbesondere für den Bereich “kulturelle Veranstaltungen/Einrichtungen” wünschten sich die Deutschen mehr Zeit (40%).

Nicht nur für die Künstler wie Emma stellt der Zeitmangel ein Problem dar, denn durch ihr Studium kann sie sich “leider nur begrenzt betätigen”. Auch Interessierte können kaum Zeit aufbringen sich über neue Werke oder Künstler zu erkundigen und entdecken.

So gibt es viele Hürden für aufstrebende Künstler, es ist nicht leicht sein Hobby zu Geld zu machen. Doch es ist immer ein guter Start klein anzufangen, sei es in Form eines Kleinunternehmens als Nebenjob oder durch virtuelle Marktplätze online. Denn Lichtblicke gibt es für die Branche. Laut Statistiken des Bundesamtes gäbe es ein stabiles und langfristiges Umsatzwachstum in der Branche. Insbesondere mit Fokus auf digitale Kunst gibt es positive Entwicklungen.
Und die Künstler bleiben ebenfalls positiv, denn die Zahlen der Unternehmen im Kunst- und Kreativ-Markt steigen weiter an, die Wachstumsrate ist der Statistik zufolge sogar höher als die in der Gesamtwirtschaft.

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